Was sind Scores?

Scores [skɔːrz]

Make a Salad. (Oktober, 1962) So lautet die Handlungsanweisung der Fluxus-Künstlerin Alison Knowles. Sie ist kurz und sachlich, einfach und verständlich sowie schriftlich und klar ausformuliert. Rein strukturell sind das erste Auffälligkeiten, die viele Scores gemeinsam haben. Doch was genau sind Scores eigentlich?

Scores beschreiben im Wesentlichen Handlungsanweisungen und stehen im Zentrum der Fluxus-Bewegung der 1960er Jahre. Sie beschreiben und initiieren Ereignisse, minimale Gesten, Aktionen oder funktionieren wie musikalische Partituren. Scores oder deren Ausführungen können einen spielerischen Charakter haben und lassen sich dennoch nicht einfach als Wertung oder als Spielstand übersetzen. Historische Scores, auch bekannt als Event-Scores, Partituren oder Instruktionen stellen Manifestationen der Fluxus-Praxis dar. Mithilfe alltäglicher und vermeintlich banaler Anweisungen lehnten sich Fluxus-Künstler:innen gegen ein etabliertes und tradiertes museales, bürgerliches Kunstverständnis auf. Fluxuskunst kam dem Alltag näher und wurde als offener, flüchtiger Vorgang verstanden, an dem Künstler:innen und Betrachter:innen gleichermaßen teilhaben können. Scores, als Teil dieser Praxis, haben dadurch einen starken partizipativen Ansatz. Sie involvieren Betrachter:innen, schaffen temporäre Gemeinschaften und geben Strukturen für die Ausführungen bestimmter Handlungen vor. Make a Salad – die konkrete Ausführung ist offen: Wer macht für wen und wo Salat? Wie Partituren in der Musik müssen auch Scores interpretiert werden. Es entstehen fortlaufend Variationen. Auch wenn die sprachliche Form meist knapp ist, wird durch ihre Prägnanz ein großer gedanklicher Resonanzraum erzeugt. Im Vordergrund steht nicht das Ergebnis, sondern die situationsspezifische Durchführung und die Erfahrungen der teilhabenden Personen. Alltägliche und banal erscheinende Handlungen werden in einen neuen Kontext gesetzt und gewinnen dadurch einen neuen Interpretations- und Reflexionsrahmen. Scores enthalten dadurch ein Irritationspotenzial und regen dazu an, die eigene Perspektive zu verschieben und zu befragen. 

Einige Hinweise zur Score-Sammlung

Die Scores in der Sammlung sollen Anregungen für die eigene pädagogische Praxis sein. Einige Scores können direkt im Unterricht angewendet werden, andere müssen modifiziert, gekürzt oder verlängert, thematisch verschoben oder sprachlich angepasst werden. Einige Scores sind sofort verständlich, während andere unverständlich oder sperriger wirken, weil sie zum Beispiel auf eine konkrete Situation im Kunstunterricht oder in einer Ausstellung Bezug nehmen. Einige der versammelten Scores stammen aus der Fluxuskunst und sind als historisch getaggt, viele Scores haben Studierenden in Seminaren, Studienprojekten und Bachelor- und Masterarbeiten entwickelt. Einige haben auch Schüler:innen im Kunstunterricht geschrieben. Die Sammlung ist divers und verändert sich fortlaufend. Alle sind eingeladen, eigene Scores und Handlungsanweisungen einzureichen.