Gespräche

Scores – als künstlerische Arbeit – zeichnen sich dadurch aus, dass sie potenziell das Verhältnis zwischen Kunst und Betrachtenden verändern. Ihnen wohnt ein transformatives Potenzial und die Kraft inne, einen mitunter unerwarteten Dialog zu initiieren (vgl. Higgins 2002, S.201). Manchmal lassen sie sich nicht ohne weiteres dem Kunstkontext zuordnen und derart einhegen und auf Distanz halten, sondern sie intervenieren in unseren Alltag, rühren an unseren Wahrnehmungsroutinen und Sehgewohnheiten. Grenzen und Linien zwischen Kunst und Alltag, Sprache und Körper, Rahmung und Öffnung, zwischen verschiedenen Medien und Gattungen werden porös. In der Begegnung mit Scores können sich derart Momente der Verunsicherung und Ablehnung ebenso einstellen wie Momente der Neugier, der Lust und des Spiels. Scores, bemerken Anna Schürch und Sascha Willenbacher, fungieren als experimentelle „Denk- und Handlungsformen“, die ein produktives Spannungsfeld zwischen Kalkül und Kontingenz eröffnen (vgl.Schürch/ Willenbacher 2019, S.63). Sie erwecken zwar den Anschein einer klaren Anweisung und Handlungsanleitung und können aber zugleich radikal, unmöglich oder widersprüchlich sein und Irritation und Unverständnis bewirken. 

Wie Scores in der Vermittlungspraxis wirksam werden können, inwiefern sie zugleich produktiv und sperrig erscheinen und welche spezifischen Herausforderungen mit Scores in pädagogischen Kontexten verbunden sein können, wird in dem folgenden Gespräch thematisiert. Wir haben uns mit Maika Wolff unterhalten, die als Leiterin der Kunstvermittlung im Museum Ostwall (Dortmundern U) tätig ist. Da das Museum Ostwall eine große Sammlung an Fluxuskunst beherbergt, sind Scores ein wichtiger Gegenstand der täglichen Vermittlungspraxis. 

Das Gespräch hat am 19.01.2026 in der Bibliothek des Museums Ostwall in Dortmund stattgefunden. Daran teilgenommen haben Maika Wolff, Katja Böhme, Silke Wittig und Tuğba Makal. Dem Gespräch ging eine Vermittlungssituation mit Lehramtsstudierenden der Universität Duisburg-Essen voraus. Eine Woche zuvor sind wir gemeinsam mit Maika Wolff und einer studentischen Gruppe durch die Sammlungspräsentation „Kunst → Leben → Kunst. Das Museum Ostwall gestern, heute, morgen“ gegangen und haben gemeinsam Scores aufgeführt und uns über unsere Erfahrungen ausgetauscht. 

Wir danken Maika Wolff für ihr Interesse an unserem Projekt und für die Bereitschaft, von ihrer Arbeit mit Scores zu erzählen. Ebenso gilt den Studierenden unser herzlicher Dank, dass sie an der Vermittlungssituation teilgenommen und sich auf die Scores eingelassen haben. In dem Gespräch mit Maika Wolff konnten wir uns so immer wieder auf konkrete Ereignisse und Eindrücke beziehen.  

Das vorliegende Transkript wurde im Sinne der Lesbarkeit redaktionell bearbeitet und gekürzt.