Im Rahmen des Seminars „Von Manifesten, Scores und Widerständen – Künstlerisch Forschen und Vermitteln“ bei Silke Wittig zum Thema Scores in der Germaine Krull Ausstellung des Museum Folkwang entwickelten wir, Leana Richardt und Lilly Butzer, zwei Kunstlehramtsstudierende der Universität Duisburg-Essen, einen kleinen „Score Parcours“, den wir mit einer Schulklasse der Klassenstufe 6 des Maria-Wächtler-Gymnasiums in der Germaine Krull Ausstellung durchführten. 

Zunächst teilten wir die Klasse in 2 gleichgroße Gruppen ein, damit wir genug Platz hatten, uns frei in den Ausstellungsräumen zu bewegen. Die zwei Gruppen starteten also in jeweils unterschiedlichen Räumen, die Reihenfolge der Durchführung von den einzelnen Scores spielt somit keine Rolle. Ziel war eine spielerische, dem Alter angepasste Erkundungsreise durch die einzelnen Ausstellungsräume. Lillys Gruppe startete in einem Raum voller Portraits – der erste, damit zusammenhängende Impuls war folgender: Finde das glücklichste Werk. Nach ein paar Minuten, in denen sich die Kinder intensiv umsahen, den Blick schärften, nach Emotionen in den Gesichtern an den Wänden suchten, war es Zeit für eine kurze Besprechungsphase. Jedes Kind stellte sich vor das Werk, was sie/er ausgewählt hatte und wer wollte, durfte erzählen, warum sich genau für dieses Werk entschieden wurde. Man ahnt vielleicht, was in Runde zwei gefragt war: Das traurigste Werk im Raum. Nach einer erneuten Besprechungsphase ging es dann in den Raum mit Fotografien von Tänzerinnen. Der Score dazu lautete: Stelle die Pose einer abgebildeten Person nach. Daraus machten wir ein kleines Spiel: Ein Kind begann damit, ihre ausgewählte Pose zu zeigen, die anderen mussten raten, welche Pose sie nachstellte. Auch Gruppenposen waren erlaubt. 

Der dritte und letzte Score spielte sich vor der Werkserie „Métal“ ab, die industrielle Bauten wie eiserne Maschinen aus Fabriken zeigte. In Gruppen von zwei bis vier Personen wurde sich nun zunächst für ein Werk entschieden. Jede Gruppe nahm sich dann ein bis drei ca. 0,5-1m lange Wollfäden. Nachdem sich jede Gruppe auf dem Boden vor den Werken platziert hatte, stellten sie nun mit der Wolle die teilweise sehr detailreichen metallenen Linien ihres ausgewählten Werks nach – eine Arbeit, bei der viel Beobachtung, Hin- und Herschieben, Drehen und Übereinanderlegen passierte, bis am Ende etwa fünf nachgebaute Maschinen auf dem Boden zu bestaunen waren. Und wieder durften wir alle in der darauffolgenden Besprechungsphase raten, welche Fotografie bzw. welche Maschine die jeweilige Gruppe wohl mit den Wollfäden neu interpretiert hat. 

Durch diese kreativen Aufgaben durften wir freudig beobachten, mit wie viel Spaß und fantasievollen Erkenntnissen die Schüler:innen die Ausstellung entdeckten: Eine auf den ersten Blick eher weniger kinderfreundliche Ausstellung entfaltete so plötzlich ein ganz neues Potenzial, das nicht nur die Freude am Erkunden der Kunst erweckte, sondern vor allem auch den Blick für Details schärfte, die uns bei einem konventionellen Gang durch die Ausstellung sicherlich verwehrt geblieben wären.