Dieses Score-Konzept nutzt die Form und Materialität von Lesezeichen. Die sogenannten SCORE-MARKS, abgeleitet aus dem englischen Begriff bookmarks, intervenieren in Vermittlungsituationen, bei denen Kunstbücher und Bildbände genutzt werden. Mit Hilfe der Handlungsanweisungen auf den Lesezeichen, werden ungewohnte Zugänge erprobt, um Bildinhalte in Büchern zu erfassen. Das Projekt thematisiert zudem das Potenzial der Erprobung, um mittels der eigenen Selbstwahrnehmung und Reflektion, unterschiedliche Wahrnehmungs- und Auslegungsweisen im schulischen Rahmen sichtbar zu machen.

Im Rahmen des kunstdidaktischen Seminars „Kunstvermittlung und Kunstunterricht von Scores aus denken“ im Master des Lehramtsstudiums sind im Sommersemester 2026 folgende Scores in Form von Score-Marks entstanden:

Finde, was deine Seele berührt.

LiesdieBuchstabenrückwärtsbissieSinnergeben. Lass jemanden zum Leben erwecken.

Übersetze ins Unverständliche.

Finde den Bösewicht. Sei der Bösewicht. Sei der Inhalt. Der Inhalt sei. Inhalt sei der.

Du bist ein Wellensittich. Der Wellensittich wiederholt. Du wiederholst.

Der Titel „Score-Marks“ leitet sich vom englischen Begriff „Bookmarks“ ab und referiert auf die in Lesezeichen-Form gestellte physische Materialität der Scores. Die Handlungsanweisungen auf den Score-Marks können alleinstehend ausgeführt werden oder in Verbindung mit Bildbänden und Kunstbüchern. Außerdem können die Score- Marks als Markierungen genutzt werden, indem bestimmte Stellen eines Buches durch den Score mit einer neuen Bedeutung versehen werden. In einem Erprobungsdurchgang wurden beispielsweise Werke aus einem Bildband von Matisse durch die Bearbeitung eines Scores kommentiert und die Bildebene wurde erweitert.

Bei der Erprobung zeigte sich, dass durch die Bearbeitung der Scores eine Wahrnehmung des eigenen Handelns stattgefunden hat. Eine Probandin stellte dar, dass sie die Scores auf sich selbst bezogen hat. Die Sätze regten sie dazu an, die bei ihr aufgekommenen Gedanken über Farbe und Gegenstände auszudrücken. Ein weiterer Proband beschrieb hingegen, dass er versuchte, die Aufgaben logisch zu bearbeiten, und nicht bewusst auf seine aktuelle Emotionslage zurückgegriffen habe. Er beschrieb seine Bearbeitung selbst als pragmatisch und rational.

Die Score-Marks lassen sich im Unterricht zu unterschiedlichen Zwecken einsetzen. Zum einen kann man sie gezielt nutzen, um Zugang zu einem bestimmten Kunstband oder Bildwerk zu bekommen, oder um Schüler*innen frei mit der eigenen Selbstwahrnehmung zu konfrontieren. So wie bei den beiden Proband*innen kann der Vergleich der unterschiedlichen Bearbeitungsweisen dazu führen, dass Schüler*innen realisieren, dass es zum einen unterschiedliche Lerntypen gibt und zum anderen unterschiedliche Wahrnehmungs- und Auslegungsweisen. Dadurch können sie lernen, dass Kunst einen besonderen Stellenwert in der Schule einnimmt, da es nicht darum geht, die eine richtige Lösung zu bieten. Dadurch wird eine Partizipation für alle gewährleistet.

Des Weiteren ermöglichen die Score-Marks, andere Personen auf eine neue Art und Weise zu verstehen und einen Einblick in sonst unsichtbare Gedanken zu bekommen.