Die Vermittlungsidee „Rahme deinen Blick“ entstand im Seminar „Von Manifesten, Scores und Widerständen – Künstlerisch Forschen und Vermitteln“ bei Silke Wittig und wurde am 18. Januar 2026 im Museum Folkwang im Rahmen der Ausstellung zu Germaine Krull erprobt. 

Im Zentrum der Vermittlungsidee standen kleine Papierrahmen in unterschiedlichen Formen und Größen. Während ich mich durch die Ausstellungsräume bewegte, bot ich Besucher:innen die Rahmen an und verband sie mit kurzen Scores wie „Rahme ein, was für dich am wichtigsten ist“, „Rahme ein oft vergessenes Detail ein“ oder „Rahme ein, was du nicht vergessen willst“. Diese Anweisungen blieben bewusst kurz und offen und wurden von mir mündlich mitgegeben. Es sollte möglichst wenig vorgegeben werden, damit die Besucher:innen selbst entscheiden konnten, wie sie den Rahmen verwenden und worauf sie ihren Blick richten möchten. Das Einrahmen ermöglichte es, einen Ausschnitt aus seinem Kontext herauszulösen und diesen für einen Moment besonders hervorzuheben. Das konnte ein Detail eines Kunstwerks sein, eine Person, ein Gegenstand oder etwas im Ausstellungsraum, das sonst vielleicht unbeachtet geblieben wäre.

Eine weitere Möglichkeit bestand darin, durch den Papierrahmen mit der Kamera zu fotografieren. Durch die eigene Wahl von Ausschnitt, Perspektive und Komposition konnte so aus dem bereits Vorhandenen eine neue Fotografie entstehen. Die Besucher:innen wurden dadurch selbst gestalterisch aktiv und konnten ihren ganz persönlichen Blick auf die Ausstellung festhalten. Die Rahmen durften anschließend behalten und mitgenommen werden.

Während der Erprobung zeigte sich, wie unterschiedlich ein solch offener Score aufgenommen werden kann. Einige Besucher:innen waren neugierig und probierten den Rahmen direkt aus. Manche wurden erst dadurch aufmerksam, dass ich selbst durch einen Rahmen blickte und kamen anschließend auf mich zu. Andere waren zunächst unsicher, was sie damit anfangen sollten oder wollten nicht teilnehmen. Besonders in Erinnerung blieb mir ein Besucher, der selbst Fotograf war und erklärte, dass er mit dem Rahmen nichts anfangen könnte. Gerade diese unterschiedlichen Reaktionen waren für mich ein wichtiger Teil der Erprobung, denn ein offener Score muss nicht zu einem bestimmen Ergebnis führen. Er kann zum genauen Hinsehen, zum Fotografieren oder zu einem Gespräch anregen, ebenso aber auch Irritation oder Ablehnung hervorrufen. „Rahme deinen Blick“ versteht den Rahmen deshalb vor allem als Einladung innezuhalten, bewusst auszuwählen und dem eigenen Blick für einen Moment einen Rahmen zu geben.