Dieser stille Vermittlungsimpuls, der im Rahmen der Ausstellung „Germaine Krull: Chien Fou“ im Museum Folkwang entstanden ist, macht einen wortlos hochgehaltenen Score zu einem Handlungsimpuls, der dazu beiträgt, konventionalisierte Verhaltensweisen und Erwartungen des musealen Raums sichtbar zu machen. Mithilfe einer stillen, beobachtenden Vermittlungspraxis vor einer fotografischen Werkreihe von Germaine Krull werden Blicke, Zögern und die körperliche Ausführung des Scores durch die Besucher:innen deutlich.
Im Rahmen der Ausstellung „Germain Krull: Chien Fou“ im Museum Folkwang habe ich verschiedeneVermittlungsansätze ausprobieren können, in denen Scores eine zentrale Rolle gespielt haben.
Die Scores, entwickelten wir gemeinsam in dem kunstpädagogischen Seminar „Von Manifesten, Scores und Widerständen — Künstlerisch Forschen und Vermitteln“ unter der Leitung von Silke Wittig.
Zu Beginn der Vermittlungssituation versuchte ich, auf eine Werkreihe von Germain Krull aufmerksam zu machen. Diese Fotografien, bildeten den Eiffelturm ab. Dies passte zu dem Score, welchen ich für diesen Vermittlungsimpuls ausgewählt hatte. Ich stellte mich neben diese mehrteilige, fotografische Arbeit und hielt einen Zettel hoch, auf dem folgender Score zu lesen war:„Stelle dich vor eine Fotografie des Eiffelturms. Wähle eine Linie und folge ihr.“ Ich suchte keinen aktiven Blickkontakt und sprach die Besucher:innen, die sich die Ausstellung anschauten, nicht direkt an. DieserVermittlungsimpuls sollte still verlaufen, ich wollte keinen direkten Kontakt mit den Besucher:innen aufnehmen, sondern ihnen die Chance geben, den Score für sich zu lesen und zu entscheiden, ob sie den Score durchführen möchten oder nicht und auf welche Weise sie ihn durchführen möchten. Ob sie ihren Körper in Bewegung bringen oder nur mit den Augen/dem Kopf den Linien folgen. Ich merkte neugierige Blicke und Verwirrung, wenn die Besucher:innen mich entdeckten und sahen, was auf dem Zettel stand, den ich hochhielt. Lediglich eine Person hat in der Zeit, in der ich dort stand, den Score durch körperliche Bewegungen ausgeführt. Ob weitere Besucher:innen den Score innerlich, nur mit den Augen/mit dem Kopf ausgeführt haben, weiß ich nicht.
Ich habe mich mit der Person, die den Score körperlich ausgeführt hat, anschließend unterhalten. Wir haben die Einsicht gewonnen, dass viel Mut dazu gehört, in einem Museum, also meist einem Ort der Ruhe, eine körperliche Erfahrung zu machen, die von einem normalen Museumsbesuch abweicht. Es fühlt sich komisch an, sich unkonventionell sich nicht so zu verhalten wie andere Besucher:innen, also still und unauffällig.